Brotteröder Wintersporthistorie Teil 1

Organisierter Wintersport seit 1905 in Brotterode

Am Fuße des 916,5 m hohen Inselberges, dem Symbol des westlichen Thüringer Waldes, liegt in einem herrlichen, von dicht bewaldeten Höhen umgebenen Talkessel der Luftkurort und Wintersportplatz Brotterode in einer Höhe von ca. 600 m über NN. Wintersport in der Bergstadt Brotterode ist seit über 104 Jahren ein Begriff in  Thüringen und in Deutschland. Überlieferungen von Zeitzeugen besagen, dass der Wintersport seit Ende des 19. Jahrhunderts gepflegt wird. Bereits 1885 fuhren bei großem Frost und Schneefall die Kinder am Seimberg Schlitten (Kasbob).

Auszug aus der Stadtchronik von 1925

Am 14. Februar 1905 fanden sich einige beherzte Brotteroder Wintersportinteressenten zusammen und gründeten einen Verein zur Förderung des Wintersports. Gründungsmitglieder waren damals: Dr. Friedrich Mansfeld, Hermann Schwarzkopf, Friedrich Wilhelm und der Sohn eines Messerfabrikanten aus Steinbach, Lothar Malsch, der als Prokurist von 1902-1904 das väterliche Unternehmen in Norwegen vertrat und somit die ersten Schneegleitbretter in unserer Region einführte. Gegründet wurde der erste Wintersportverein Brotterode im „Hotel zur Post“, Dr. Mansfeld wurde als erster Vorsitzender gewählt.

Bild aus den Gründungstagen

Am Gründungstag versammelten sich die sportbegeisterten Einwohner von Brotterode, aber auch viele Schaulustige auf der Festwiese am 803 m hohen Seimberg. Zwei Norweger, die Skilehrer Grönedahl und Orre, bauten hier einen behelfsmäßigen Sprunghügel und zeigten die ersten Sprünge von 12 – 18 m. In den Folgejahren entstanden eine Sprungschanze sowie eine Rodel- und Bobbahn.

Am 04. März 1906 fanden die ersten Langläufe über 1,5 km und 3 km auf dem „Großen Inselberg“ statt, während Skispringen, Wolfsjagd und verschiedene Jugendspiele auf der Festwiese „Am Seimberg“ durchgeführt wurden. Diese Wintersportmeisterschaften wiederholten sich bis 1914 jährlich. Aus der Gründerzeit ist viel überliefert worden, einiges wurde auch vergessen oder ist auf diesem langen Weg verloren gegangen.

Am 06. Januar 1907 fand ein weiteres Sportfest unter Leitung des norwegischen Oberleutnants Orre aus Trondheim statt. Über 100 Skiläufer und Rodler traten zu diesen Wettkämpfen an. Schirmherr dieser Veranstaltung war der damalige Landrat Dr. Hagen. Am 09. Februar 1908 wurden ein weiteres Sportfest mit Massencharakter und das erste Bobrennen auf der Bobbahn „Am Seimberg“ durchgeführt. Der erste organisierte Unterricht im Skilauf fand vom 08. – 11. Januar 1909 unter Leitung des Norwegers Osbjörn Osgaart statt.

Am 28. Januar 1909 wurde ein neuer Vereinsvorstand gewählt, dem folgende Sportfreunde angehörten:

 

  Vorsitzender:   J. Eck
  Sportwart:   Oskar Böhm
  Kassenführer:   Wilhelm Engel
  Schriftführer:   Hermann Fuchs
  Rodelwart:   Friedrich Wilhelm

 

Die Ortsgruppe des WSV Brotterode hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 140 Mitglieder, davon 55 Erwachsene und 85 Jugendliche.

Am 21. Februar 1909, einem herrlichen Sonntag, wurde ein großes Wintersportfest auf der Festwiese am Seimberg durchgeführt. Hauptereignis war der Langlauf für Herren über 18 km, den Karl Engel aus Brotterode gewann und der dafür den Staatspreis: erhielt 1 Paar Schneeschuhe mit Stöcken. Die Plätze 2, 4 und 6 gingen ebenfalls an Brotterode, und zwar an Oskar Nickel, Karl Schreiber und Otto Eck.

Im Langlauf für Damen über 500 m siegte Gertrud Krahmann aus Brotterode. In der Jugendklasse  belegten Platz 1 – 4 die Brotteroder Oskar Schmauch, Otto Lachmund, Hugo Scheidler und Rudolf Neidhardt, während auf den Plätzen 6 – 8 Karl Wagner, Karl Franz und Erich Kürschner ebenfalls aus Brotterode zu finden waren.

n der Jugendklasse II waren die Brotteroder Otto Eck, Hugo Fuchs, Hugo Klein, Emil Wagner und Hugo Rübsam auf den Plätzen 1 – 5 zu finden. Im Einsitzer-Rodelrennen belegten die Brotteroder mit Wilhelm, Eichenberg und Engel die ersten 3 Plätze. Im Zweisitzer-Rodelrennen waren die Brotteroder vierfach vorn: Karl und Gustav Schreiber, Lesser und Nickel, König und Robus sowie Marta und Paula Gleiß. Das Damen-Einzelrodeln gewann Lucie Mansfeld, Oskar Engel wurde 2. im Springen der Jugend.

Am 10. Dezember 1910 fand die Hauptversammlung des Thüringer Wintersportverbandes im Hotel „Inselberger Hof“ statt. Sie stand unter der Schirmherrschaft seiner Hoheit, des Herzogs Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha, welcher auch den Vorsitz inne hatte.

Ein staatlicher Wintersportkursus des Regierungsbezirkes Kassel fand vom 06.-08. Januar 1911 unter der Leitung des Norwegers Rolf Wiborg Thune im Skilauf und des Brotteroder Lehrwarts Friedrich Wilhelm im Rodeln statt.

Am 18. und 19. Januar 1913 wurden Eilbotenwettkämpfe und Fahnenrodeln, Langlauf für Damen, Jugend und Herren, ein Sprunglauf sowie ein Bobsleighrennen durchgeführt. Dabei waren die Brotteroder Teilnehmer sehr erfolgreich. Sie belegten z. B. im Eilbotenwettkampf (8 Läufer pro Mannschaft) die Plätze 1 und 2, im Langlauf der Damen über 1,4 km die ersten 3 Ränge (Lucie Schwarzkopf, Else Böhme, Erna Lesser), beim Langlauf  der Jugend über 4 km, wo 31 Läufer am Start waren, wurden sie 4.,6.,8. und 9. (Hugo Münch, Hugo Göbel, Hugo Lesser, Oskar Fuchs). Platz 4 ging im Langlauf der Herren über 12 km an Karl Schreiber.

Auch im Fahnenrodeln (1.,3. und 6. Platz) und im Zweisitzer-Rodeln (3. und 4.) zeigten die Brotteroder ihr Leistungsvermögen. Beim Bobsleigh siegte der Bob Horrido aus Brotterode. Der Brotteroder Skisprungnachwuchs schlug sich beachtlich, siegte vierfach bei den Knaben unter 14 Jahren (Fritz Lesser, Rudolf Wagner, Gustav Lesser und Bernhard Wagner) und belegte bei den 14 – 18 Jährigen die Plätze 2 und 4 (Hermann Malsch, Heinrich Hess).

Am 18. Januar 1914 fand die erste Thüringer Meisterschaft im Rodeln in Brotterode statt.

Nach dem ersten Weltkrieg, genau am 06. November 1919, fanden sich mit den Sportkameraden Adam Brod, Paul Herrmann, Hugo Hoppe, Eck, Karl Fenner und Fuchs einige Enthusiasten des weißen Sports zusammen, um das 1905 Angefangene weiterzuführen, und beschlossen den Bau einer neuen Sprunganlage mit Sportplatz. Als Standort wurde der Nordhang des 803 m hohen Seimberges ausgewählt und bestätigt. Für diese Baumaßnahme wurden vom Landrat Dr. Hagen 20.000 Reichsmark zur Verfügung gestellt. Es wurden ca. 5.000 Kubikmeter Erde bewegt. Der kritische Punkt dieser Anlage betrug 40 m bei einer Aufsprungneigung von 34 Grad.

Sprungschanze am Seimberg

Obwohl diese Baumaßnahme erst im Dezember 1923 vollendet wurde, fanden bereits am 15. Januar 1922 Hauptwettkämpfe des Inselberggaues in Brotterode statt. Hierbei belegte im Sprunglauf der Jungmannen Otto Mühlhausen den 1 Platz, ein paar Tage später wurde er beim 11. Verbandswettkampf des Thüringer Wintersport-Verbandes vom 20.-22. Januar 1922 in Oberhof Zweiter im Langlauf. Am 18. Februar 1922 wurde die neue Schanze mit einem Schauspringen auf den Namen „Hagenschanze“ eingeweiht. Sieger in der Jugendklasse wurde Rudolf Lesser (in Springerkreisen nur als „Schnips“ bekannt), bei den Erwachsenen gewann der Brotteroder Hermann Malsch mit 32 m.